Vorfuss-, Mittelfuss- oder Fersenlaufstil - welcher ist der beste?


Drei Mal Abdruck im Vergleich!


Mit den Laufstilen ist es wie mit Steinen: Es gibt sie in einer großer Vielzahl, aber
jeder ist einzigartig, individuell und wir können die einzelnen nicht vorbehaltlos
miteinander vergleichen. Trotzdem unterscheiden wir zur Vereinfachung zwischen
den drei grossen Stilen Vorfuss-, Mittelfuss- und Fersenlaufstil.

 

Jeder Läufer hat sich irgendwann einmal die Frage gestellt, welcher Laufstil denn der

richtige sei.

Garaniert hat jeder schon einmal auf Haile Gebrselassie geschielt und
gedacht, sein Laufstil könnte bei diesen Bestzeiten der einzig richtig sein? Kann die
Beinarbeit eines Läufers, der den Marathon in 4 Stunden finisht, mit dem eines
Profiläufers aus Kenia, der die 42 km mit 20 km/h durchläuft, überhaupt vergleichen?
Muss der Laufstil bzw. der Abdruck hier nicht logischerweise aufgrund der
unterschiedlichen Geschwindigkeiten ein anderer sein? Solche Vergleiche sind mit
Vorsicht zu genießen. Denn welcher Stil der Beste für einen ist, bleibt umstritten bzw.
sollte situativ beleuchtet werden.
Viel entscheidender hängt der Abdruck wirklich davon ab, wie schnell gelaufen wird,
in welchem Gelände der Läufer sich befindet und in welcher Art von Trainingseinheit
gerade trainiert wird. Das bedeutet: Der richtige, einheitliche Laufstil gibt es nicht. Er
passt sich den Gegebenheiten an.
Schnell: Vorfusslaufstil
Meistens ist zu hören, dass der Vorfusslauf der beste Laufstil sei. Hier wird sich an
den Laufprofis orientiert und kommt so auf diese zweifelhafte „Weisheit“. Die
Kenianer aber laufen auch nicht die Marathondistanz auf dem Vorfuss
In unwegsamen Gelände und bei den berühmt berüchtigten „Fahrtenspiel“ hingegen
macht das Vorfusslaufen Sinn. Die Geschwindigkeit ist hoch und somit ist gar keine
Zeit um über die Ferse aufzusetzen. Anzumerken ist hier noch, dass nach solchern
Einheiten ausreichend über die Ferse ausgelaufen werden soll, da der Vorfusslauf -
auch als Ballenlaufstil bekannt - Verletzungen in der Wadenmuskulatur, Bandapparat
des Sprunggelenkes und Achillessehne provoziert.
Schonender: Auf dem Mittelfuss
Die „schonendere“ bzw. weniger überlastende Art und Weise ist es, über den
Mittelfuss abzurollen. Dauerläufe, Tempoläufe und nicht allzu schnell gelaufene
Trainingseinheiten können und sollen sogar ohne weiteres über den Mittelfuss
gelaufen werden. Gerade auch die muskuläre Vorspannung im Knie beim
Mittelfußlauf macht diesen Stil schonender für die unteren Extremitäten.
Weitverbreitet: Der Fersenlauf
Der am weiten verbreitetste Stil ist der Fersenlaufstil. Höchstwahrscheinlich deshalb,
weil die meisten Läuferinnen und Läufern in gemässigtem Tempo unterwegs sind
und es der natürliche Dämpfungsmechanismus ist. Das Abrollen auf der Ferse ist
nicht gänzlich falsch, aber wer bspw. schneller werden möchte, sollte zumindest ein
paar Mal in der Vorbereitung Intervalle absolvieren. Die läuft jeder Läufer und jede
Läuferin meist auf dem Mitte- oder Vorfuß. Vergessen werden darf hierbei aber nicht,
dass der Fersenlaufstil die Funktionseinheit Knie durch das passive Landen sehr
belastet.
Fazit:
Den einen richtigen Laufstil gibt es nicht. Vielmehr eine Flexibilität und Variabilität
zwischen den drei Laufstilen sollte angestrebt werden. Denn verständlicherweise
wird beim bergauf einen anderen Stil als beim Bergablaufen automatisch gewählt
und genauso ist es bei schnellen, mittleren und langsamen Tempoeinheiten. Auch
empfiehlt es sich nach einer hohen Trainingsbelastung bspw. Vorfußlauf eine
Entlastung bspw. über den Fersenlauf einzubauen, um zum einen die Regeneration
anzukurbeln und zum anderen seine Freiheitsgrade zu erweitern. Vor allem die
Freiheitsgrade sind es den Läufer lange gesund und mit Spaß am Laufen halten.
Ratsam ist es somit via fachlicher Begleitung und gezieltem Trainingsaufbau dieses
sich sinnvoll anzueignen.


Michael O. Preuß, Diplom Sportwissenschaftler und passionierter Läufer (Berlin,
22.09.2016)